
6. Dezember:
Mein Nikolausgast ist der Kölner Kinderbuchautor Uwe Becker, aus dessen Feder u.a. die wunderbare Serie über die Zipfelmaus stammt. (https://www.uwebecker.net/)
Thomas Lackmann, Mendelssohns Gärten (Jüdischer Verlag)
Wenn man sich mit Berlin beschäftigt, stellt man immer wieder fest, dass so vieles, was es dort einmal gab und worüber man staunend liest, verschwunden ist. Und das nicht nur im zweiten Weltkrieg. Abgerissen, abgeräumt, überbaut.
Auch die vielen Gärten, in die uns Thomas Lackmann führt, gibt es alle nicht mehr. Berliner Gärten in denen es sich trefflich philosophieren und arbeiten ließ, oder in denen man sich einfach nur erholen konnte. Der Hortus conclusus des Mittelalters, von einer Mauer umgeben und nur zum Himmel geöffnet, hatte sich über die strengen Anlagen des Barocks in die Weite geöffnet. Mit und in diesen Gärten strebte auch das Denken der Menschen ins Freie.
Thomas Lackmann folgt Moses Mendelssohn, der nie einen eigenen Garten besessen hat, in die Gärten seiner Freunde. In Johann Georg Sulzers verzauberten Garten auf der Museumsinsel und in seinen großen Park in Moabit. Oder in den Garten des Reck‘schen Palais, in dem Moses Mendelssohns Enkel Felix die Ouvertüre zum Sommernachtstraum komponieren sollte. Und in Friedrich Nicolais legendären Garten an der Lehmgasse, der ungefähr dort lag, wo sich heute der Strausberger Platz befindet. Dort trafen sich Nicolai, Mendelssohn, Lessing und viele andere oft, um das Denken der Menschen in die Freiheit zu führen. Die Zeit meinte es gut mit Mendelssohn, der 1743 mit 14 Jahren nach Berlin gekommen war, um frei denken zu können. Und sein Glück zu finden. Aber auch Zeiten, die es gut mit den Menschen meinten, scheinen versunken zu sein. Umso wichtiger, immer wieder an diese Welt zu erinnern. An ihre Gärten und ihre Hoffnungen.
#marensadventskalender2025



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