
9. Dezember
Uwe Wittstock, Marseille 1940 (C.H. Beck)
Schon das Buch „Winter 1933“ von Uwe Wittstock hat mich sehr berührt. Er hat die Gabe, die Flucht-Bewegungen der Menschen so zeigen, dass man den Einzelnen sieht und gleichzeitig die Welle begreift. Das geht nur, wenn man sehr viele Details kennt und doch den Überblick behält.
Wie unglaublich viele Menschen wurden von den Nazis ins Ausland getrieben und wie groß war die Verzweiflung derjenigen, die eine neue Bleibe in Frankreich gefunden hatten, als sie begriffen, dass sie erneut fliehen mussten. Im Juni 1940 ging die Hetzjagd der Gestapo auf deutsche und österreichische Literaten in Frankreich weiter und stürzte sie ins Chaos: Lion Feuchtwanger, Anna Seghers, Heinrich Mann und so viele andere, bekannte und weniger bekannte SchriftstellerInnen. Während sie zu Fuß, in Zügen oder Autos der Grenze zustreben und sich viele von ihnen in Marseille trafen, reiste auch der Amerikaner Varian Fry dorthin, um gemeinsam mit dem Emergency Rescue Committee so viele Flüchtlinge wie möglich zu retten. Keinen von ihnen kannte er persönlich, aber er kannte ihre Werke.
Ein düsteres, eindringliches, wichtiges Buch.
#marensadventskalender2025



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